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ERÖFFNUNGSREDE ZU FRANCO COSTA AUF FEHMARN
31.7.2004, 19.00 Uhr in Burg
 

Italiener kochen gut. So auch Franco Costa. Dennoch ist der in erster Linie Künstler, Maler. Getroffen haben wir uns aber tatsächlich bei Kulinarischem. Es war eine Gala in Rostock zur Vergabe des Köche Oskar. Bei der, wie konnte es anders sein, ein Italiener gewann. Und wie die Köche auf dem Markt frisch ihre Waren aussuchen und sich zu Gaumenfreuden inspirieren lassen, geht es ähnlich auch Franco. So vor wenigen Tagen in Zingst, wo er die Landschaft für ein neues Projekt erkundete. Genauso war es Jahre vorher in Amerika, wo er sich in einer Großstadt mitten in die Fußgängerzone legte, um die richtige Perspektive zu finden. Franco malt sehr plakativ, Formen bestimmen seine Werke. Besonders aber die Farben. Zu Hause in seinem Atelier stehen Hunderte von Farbmischungen in den Regalen, die er in zumeist kräftigen Tönen auf die Leinwand spachtelt. Sie vermitteln Stimmungen, die einen auf Anhieb aufheitern, sein Farbenspiel strahlt jenen Optimismus aus, den er selbst in sich trägt. Offen, ehrlich und sympathisch. Er bezeichnet seine Kunst für gewöhnlich als Post-Impressionismus. Wie auch immer man es nennt, es ist die Klarheit und Einfachheit der Dinge, die er darstellt und vor allem ins rechte Licht rückt. Eine Begeisterung, die er schon in jungen Jahren von einem russischen Künstler aufsog, der besonders aus den Lichtverhältnissen gestalterisch eine Kunst machte, und den er sehr verehrte. Was die Einfachheit betrifft, so geht diese quasi einher mit Francos persönlicher Bescheidenheit und dem offenen Aufeinanderzugehen. „Ich möchte den Betrachter nicht damit langweilen, dass sie in meinen Werken erst jahrelang nach einem Sinn oder einer versteckten Botschaft suchen. Meine Kunst soll dazu da sein, sich damit wohl zu fühlen“, erklärt er. Und so ist es gerade auch die Nähe zu den Konsumenten seiner Bilder, die den Erfolg für ihn ausmachen.
Zwar ist Franco Costa noch immer der Weltreisende, der heute auf Fehmarn, morgen in Schweden, wenig später in Paris und mal in Dubai oder Afrika weilt, um Projekte in Gang zu bringen und zu pflegen. Aber er scheut es trotz all der globalen Dinge nicht den eigentlichen Kontakt zu den Liebhabern seiner Bilder zu wahren. Steht bereitwillig persönlich zu Autogrammstunden zur Verfügung, um mit vielen selbst in Kontakt zu kommen.
Eine gelungene Auswahl seiner Werke ist heute hier zu sehen. Sie können sich selbst überzeugen von der Wirkung der Farben und dem Costa-eigenen Stil der Figurengestaltung. Ganz schlicht und mit Konzentration auf das Wesentliche: „Mühle in Benz“. Opulent und in der Dominanz grüner und blauer Farbtöne: „View Across SH“. Ähnlich farbenfroh und mit heiterem Charakter: „Fehmarnsund mit Brücke und Raps“.
Über Franco Costa hier in Norddeutschland zu sprechen, heißt fast schon, Eulen nach Athen zu tragen. Oder geografisch passender: Tauben nach Rom. Zwar hat der Künstler bereits die ganze Welt gesehen und erlebt, ob Amerika, Asien oder Neuseeland. Hat für die großen Segelereignisse dieser Welt gearbeitet, Projekte mit UNICEF ins Leben gerufen und sogar den Papst mit seinem Tun begeistert. Seine Verbundenheit zu Deutschland pflegte er die letzten zehn Jahre geradezu liebevoll. Dabei nimmt der Norden durchaus die Vorreiterrolle ein. Von Fehmarn bis Usedom kann man inzwischen seinen Spuren folgen. Ganz aktuell führte er gestern noch Absprachen für ein Projekt in Zingst auf dem Fischland im kommenden Jahr. So schließt sich der Gürtel seiner Aktivitäten an Deutschlands Küste.
Der junge Mann, der in zwei Wochen gerade mal erst 70 wird, ist in Aktion wie ein Dreißigjähriger. Wenn man ihn das erste Mal erlebt, kann man es kaum glauben, dass dieser Mensch permanent agil ist. Beinahe übersprudelt vor Ideen. Das Leben tatsächlich getreu seinem Motto „arte vita“ lebt. Als ich letzten Monat bei ihm in Rom weilte, arbeitete er an vier Werken gleichzeitig. Mit viel Intention und mit viel Gefühl, eben „aus dem Bauch heraus“ (womit wir wieder beim Essen wären). In einem Beitrag über ihn bemerkte ich, nachdem er mich in wilder Fahrt durch Rom schleuste und mir als deutsch-korrekten Fahrer fast den Angstschweiß auf die Stirn trieb: „Wie er Auto fährt, so malt er auch.“ Eben mit dem gewissen Bauchgefühl. Und vor allem seinem nicht zu unterschätzenden Sympathiefaktor als Mensch, mit dem schnell das Eis taut. Selbst in ernsthaftesten Situationen, wie eine kleine Episode zum Schluss zeigen soll:
Als er vor Jahren in Dänemark zu einer Ausstellungseröffnung mit dem Auto unterwegs war, natürlich mit der typisch italienischen Mentalität der Ruhe, bemerkte er doch irgendwann, dass die Zeit knapp werden würde. Also 200 km/h statt erlaubter 100. Wenig später wurde er von der Polizei gestoppt, die ihn vom Fleck weg verhaften wollte. Wie er die Polizei glauben machte, dass er einen Treff mit der Königin habe, konnte wohl nur einem Costa gelingen. Die drohten zwar damit, ihn später an Ort und Stelle mitzunehmen, wenn das nicht stimme, fuhren aber dennoch als Polizeieskorte mit Blaulicht vor ihm her bis zum Treffpunkt. Und fielen natürlich fast in Ohnmacht, als die dänische Königin den kleinen lebhaften Mann tatsächlich persönlich begrüßte. Wir können ihn hier heute pünktlich und ohne Polizeieskorte willkommen heißen, obwohl der Stau auch heute bedrohliche Ausmaße annahm. An seiner Seite die Frau, die nicht nur seine Lebenspartnerin ist, sondern die ihm bei seinen vielen Aktivitäten den Rücken frei hält und ihm zudem eine nicht zu unterschätzende berufliche Mitarbeiterin ist. Heißen Sie also nochmals beide recht herzlich willkommen auf Fehmarn. Vielen Dank und „buena sera“, Joshoua, Töchterchen Carlotta und: FRANCO COSTA!

BERT ASCHKOWSKI, freier Journalist, Rostock